Ein neuer Tag, ein neuer Bericht. Mal schauen wie lange ich das so durchhalte. Hier ist es gerade schon ziemlich in der Nacht, 1:44 sagt die Uhr und ich bin mit Mijail und zwei Kumpanen in Managua, im seinem Buero das zu bewachen uns seine Mutter aufgetragen hat. Der Cousins des frueheren Waechters war naemlich auf die clevere Idee gekommen Sachen hier mitgehen zu lassen, was seinen Kumpel nun folglicherweise den Job kostete. Und so sitzen wir nun hier, teeren unsere Lungen, schwaerzen unsere Zaehne mit Kaffee und Coke und warten auf den Morgen. Ausserdem hoere ich die beste Nachtmusik aller Zeiten, “Burial”, die ihr, falls ihr sie noch nicht kennt, spaetestens jetzt einmal ausprobieren solltet. Nun aber zum versprochenen Restreisebericht.
Die Berge
Nach dem gemeinsamen netten Abend zusammen im Haus am See nahmen wir am naechsten Morgen die uns nachgereiste Dinah in Empfang, die mit uns nun weiter in Richtung Javiers Familie in den Bergen aufbrechen sollte.
Den Weg auf die Finca hatten wir uns schon im Vorraus als Ereigniss geplant, da wir naemlich mit Pferden reiten wollten. So eroeffnete sich uns nun also die maerchenhafte Schoenheit der nicaraguanischen Berge auf dem Ruecken der Pferde, auf denen, wie man ja weiss, auch ein guter Teil des Gluecks unserer Erde mitreist. Hust. Schmonzerei, ich weiss. Aber es faellt mir tatsaechlich schwer die unglaubliche Gewalt und ueberwaeltigende Schoenheit dieser fast gaenzlich unberuehrten Natur in treffende Worte zu packen.
Der Blick wird auf den Bergsaetteln so weit, dass den Augen angesichts der Dimension nur noch die Kapitulation bleibt und man sie am besten schliesst. Gleichzeitig spuer ich meinen Greenhorn-Hintern schon recht frueh, was mich aus den luftigen Hoehen in die sich meine Vorstellungskraft aufgeschwungen schnell wieder auf den banalen Boden der Tatsachen zurueckbringt.
Ich gehe also eine Weile mit Javiers Onkel, der mir von seinem einfachen Leben ohne Strom und fliessend Wasser erzaehlt, seinen zwoelf Kuehen, den vier Pferden und davon, dass wenn geschlachtet wird, das immer zuerst mit allen umstehenden Fincas abgeklaert und das Fleisch dann gemeinsam verbraucht werden muss. Ich denke mir dabei, dass die Natur ihn dafuer durchaus reich entschaedigt und frage mich wie lange ich wohl so leben koennte.
Abends machen wir gemeinsam ein Feuer, fuehlen uns wohl unter dem Dach aus Wolken und Sternen, das der Himmel uns bereitet hat und reden im Gras. Ich entscheide mich als einziger unter freiem Himmel zu uebernachten und werde am morgen von einem der wunderbarsten Sonnenaufgaenge, die man sich vorstellen kann belohnt.
Da ich als erster wach bin mache ich mich auf den Weg in die umliegenden Huegel, renne, gegen die Zeit des guten Lichts und des Batteriestandsanzeige meiner Kamera. Es begegnen mir viele phantastische Szenen und ein paar gelingt es mir auch halbwegs adaequat einzufangen.
Auf dem hoechsten Huegel den ich mir ohne Lungenkollaps hochzurennen zugetraut habe mache ich verschwitzt, verkrazt, uebernaechtigt aber zufrieden Pause und beglueckwuensche mich zu meiner Entscheidung das Rauchen wieder angefangen zu haben mit einer Guten-Morgen-Zigarette.

Der unstete Grund und hin- und wieder Schwimmeinlagen verhindern, dass ich die Kamera weiter flussaufwaerts nehme.
Nach meiner Rueckkehr und nachdem sich auch alle Sarahs aus den Betten geschaelt haben gehen wir uns gemeinsam, im hinterm Haus durch eine zierliche und leuchtend gruene Klamm verlaufenden, Gebirgsbach baden. Stromaufwaerts gelangen wir zu einem Wasserfall bei dem wir eine Weile staunend und geniessend innehalten und duschen.
Ich habe mich entschlossen frueher als die anderen zurueckzugehen und so breche ich nach unserem Bad allein und ohne Fruehstueck auf. Der lange Weg den ich nun ohne Pferd zwischen den Beinen bestreite wird mir von verschiedensten Nicas, die mir Wasser, Essen und Transport schenken erleichtert, und ich merke mal wieder in was fuer einem gastfreundlichen Land ich unterwegs bin.
Bilder
Der Reisebericht ist eigentlich noch nicht zuende, aber die letzte Etappe nach Ocotal verdient meiner nachtraeglichen Meinung nach nicht allzuviel Bedeutung und wird somit wahrscheinlich ausbleiben. Demnaechst will ich euch aber wieder auf den aktuellen Stand im Projekt und all den Sachen, die in den letzten zwei Monaten ohne Berichte passiert sind und Erwaehnung verdienen, bringen.
















