Bewegungen im Projekt

Die Jugendbrigade

Am Sonntagabend trifft sich zum ersten mal in unserer Anwesenheit die „brigada cultural juvenil de tipitapa”. Wir, Sarah und Ich, kommen zusammen mit Mijail etwas zu spät. Die anderen sind schon da und beim Besprechen irgendwelcher Sachen. Dinah ist Protokollführerin, sie wird sich während des ganzen Treffens über bemühen Disziplin durchzusetzen. Auf ihrem Papierbogen steht allerlei. Zum Beispiel Schlagwörter der Brigade: Kreativität, Freiheit, Verantwortung. Darum geht’s es auf jeden Fall: Verantwortung für jugendliche Kultur in Tipitapa. Die Brigade will die jugendlichen Tipitapas organisieren und motivieren. Sie bereitet Theateraustauschs mit anderen Städten vor. Es gibt Pläne ein leerstehendes Kioskgebäude auf dem zentralen Parkgelände der Stadt zum Jugendzentrum zu wandeln.

Das Problem jeder längerfristigen Planung mit der Stadtregierung hierzulande ist jedoch, dass jeder Bürgermeister nur mit Unterbrechung eine zweite Legislaturperiode antreten darf. Eine Vorsichtsmaßnahme, die ein Konsequenz der Revolution war.

Wir werden gefragt ob wir in die brigada eintreten wollen, Sarah sagt direkt zu, ich lasse mir noch Bedenkzeit. Nachdem sich Dinah und Ninosga auf einen Kaffee zurückgezogen haben beginnen die Übriggebliebenen mit einer der Lieblingsbeschäftigungen versammelter Nicas: Singen. Schlager, Rock, Pop, alles was spanischsprachig ist eignet sich. Vor allem die Männer bemühen sich nicht um Lapalien wie korrekte Tonlage oder dergleichen. Singen kann, wer den Text weiß. Ein hübsches Mädchen, mit wirklich schöner Stimme, geht im Gesinge der anderen leider etwas unter. Ich freue mich schon auf den Moment, wenn ich eines Tages in solcherlei Gesang inbrünstig mit einstimmen kann.

Pläne

Da es sein könnte, dass ihr euch fragt was ich denn hier nun eigentlich die nächsten Monate zu tun gedenke, will ich euch hier einmal einen Ausblick über die manigfaltigen Möglichkeiten der Projektgestaltung geben. Ganz konkret (wir planen ab nächstem Wochenende den Baubeginn) steht ein Baumhaus, das wir im Hinterhof der casita zusammen mit und für die Kinder bauen wollen, an. Baumhäuser hat hier noch keiner gesehen, deshalb sind die Erwartungen an die Deutschen hoch. Ich hoffe wir können dem gerecht werden.

Ein weiteres Projekt, das mir zumindest sehr wichtig wäre, und das glaub ich großes Potential hätte wäre ein Kino, oder wenigstens gemeinsames Filmeschauen. Es gibt nämlich kein Kino in Tipitapa. Und die Zahl der an Ecken lungernden Jugendlichen ist astronomisch hoch. Man könnte wunderbar vor dem Film einen kurze Einführung zum Film halten (wer in Tübingen mal in der Sneak war, weiß wie ich mir das ungefähr vorstelle), und dann danach zur gemeinsamen Diskussion einladen. Für dieses Projekt gibt es viele mögliche Varianten der Umsetzung, eine, vielleicht die beste, wäre die Nutzung eines leerstehenden ehemaligen Kinogebäudes, das jedoch der Stadtregierung untersteht, damit also auch an ihr scheitern könnte.

Für mich steht ganz bald die Gestaltung einer Homepage für die casita an. Wie das halt so ist, macht man am Ende doch wieder das, was man mehr oder weniger am besten kann…

Etwas ähnliches, was vermutlich auch von mir angegangen werden wird, ist das Einrichten einer Bibliothekssoftware auf einem kürzlich gespendeten Computer. Das bisherige System mit Karteikarten ist grässlich kompliziert und fehlerbehaftet.

Englischunterricht haben wir schon ausgerufen, der wird also auch sehr bald von uns gegeben werden.

Die Zeichen für Zeichenkurse (hohoho, Wortspiel) stehen auch ziemlich gut, Sarah hatte ähnliche Pläne und die Kinder malen gerne und viel.

Es gibt natürlich noch viel mehr Ideen, die man Umsetzen könnte, die sind aber noch kaum Spruchreif, ich werde davon also erst berichten, wenn sie irgendwie konkreter werden.

Jonas 2.0

Der Jonas liest, nachdem er das Kapital ausgelesen hat, nun den Zarathustra auf spanisch, in den Pausen aufgelockert durch ein bisschen spanischen Kant und Goethes „Fausto”. Er arbeitet also fleißig an seinem Update.

Eigener Senf

Erforderliche Felder sind markiert *

*
*