Mein Verschleiß an frischen T-Shirts ist hoch. Im Prinzip bräuchte ich so etwas wie eine Persil-Testzentrum neben dem Haus, aber ich fürchte, wenn ich auch noch nicht gefragt habe, dass hier eher Handwäsche angesagt ist.
Für eine Hand voll Dollar
Mein Tag heute sieht vor, dass ich mich auf eigene Faust zum „Trapichito”, einem Freibad mit normalen, kalten Quellen begebe. Der Tag im Bad verläuft nett aber ereignislos. Ich bilde mich über Sandino und die Sandinisten. Interessant wird erst der Rückmarsch vom Bad. Zum Bad war ich für einen Dollar mit dem Taxi gekommen. Der Taxifahrer der mich zurückbringen soll verlangt jedoch fünf. Ich lehne also dankend ab, wie mir das geraten wurde, stehe aber dann erstmal vor einem Problem, nämlich der Pampa in der ich mich befinde und nur einer groben Vorstellung vom Heimweg. Dennoch mache ich mich zu Fuß auf, da ich die Buslinien noch nicht wirklich verstanden habe und mir ziemlich sicher bin den Weg zu finden. Im Nachhinein und auch dann auf dem Weg wird mir jedoch mehr und mehr bewusst, dass es durchaus großartigere Ideen gibt, als sich als Tourist, zu Fuß, bepackt mit Geld, Handy und Digicam, durch die Barrios auf den Heimweg zu machen. Ich watschele also so stramm und souverän es meine Flipflops zulassen eilig in Richtung zu hause. Immer wieder muss ich nach dem Weg fragen und treffe dann irgendwann glücklicherweise auf Javier, mit dem ich die letzte Etappe recht erleichtert, rauchend und plaudernd, schlendere.
Theater?
Zum Abend hin sind wir auf eine Theaterveranstaltung von Dinahs Uni eingeladen. Zusammen mit Javier fahre ich im abendrot mit dem Bus nach Managua. Dort treffen wir die anderen und begeben uns gemeinsam zu einer großen Menschenmenge auf einer Tribüne unter freiem Himmel. Der Tribüne gegenübergestellt steht so etwas wie ein Orchester und ein Chor, sowie vor ein großen Bühne eine ordentliche Anzahl stolz verkleideter Akteure, die während der gesamten Vorbereitungen regungslos dastehen. Los geht es mit zwei flummi-artigen Rednern, die ziemlich engagiert irgendwelche, mir unverständlichen Worte ins Mikro brüllen und damit scheinbar die Geschichte des Theaterstücks erzählen. Ab da wird nur noch getanzt, gejohlt, gesungen, gehämmert, applaudiert. Ich verliere mich vollständig in den Strudel aus Licht, Tanz und Musik, verstehe dabei rein gar nichts von irgendeiner Handlung, aber genieße alles in vollen Zügen. Es tanzen falsche Männer, falsche Frauen, ausgestattet mit falschen Brüsten, verschiedene Tiere, der Tod und ein Cesär, dessen Kostüm irgendwie an eine Pornofilmversion des alten Julius erinnert, zum Teil minutenlange, beeindruckende Choreographien. Ganz im Glück verlassen wir die Veranstaltung nach Ende und machen uns zum Flughafen auf um Sarah abzuholen.
Kochen, Feiern, Rennen fahren
Sarah kommt an, hat kürzere Haare, ich schwärme ihr begeistert von den Erfahrungen der ersten Tage vor. Mijail fliegt uns zu Svenja, der Kerl erzählt gerne, dass er einen Pakt mit dem Teufel habe, ich bin langsam durchaus geneigt ihm zu glauben. Bei Svenja erneuert Mijail dann auch seine Treueschwüre für Sarah, er bietet mir außerdem einen Job von einem Freund in irgendeinem Lager an, und gibt mir Aussichten auf das, was er alles noch mit mir vor hat in den nächsten Monaten. Den Führerschein für mich hat er schon eingeplant, außerdem will er mir Mechanikergrundkenntnisse vermitteln, zusammen mit mir Kochen, Feiern, Rennen fahren. Er macht mir nicht den Eindruck, als ob er mir in irgendeiner dieser Sachen mitspracherecht zugesteht. Er hat es beschlossen. So wird es sein.














