Nach dem kurzen Ausflug ins Experimentelle im gestrigen Beitrag, gibt’s heute wieder solide Hausmannskost der Fernberichterstattung.
La vida no es pan de rosa
Der vorvergangene Tag hielt eine unangenehme Erkenntnis für mich bereit. Die entdeckte Wahrheit ist eigentlich schon ein wenig gereift. Aber dieses mal sorgte sie zum ersten Mal für mein Ungemach. Folgendes fand ich heraus:
Scheisse ist es, wenn man sich nicht so ausdrücken kann wie man es gewohnt ist und gleichzeitig auch nur Bruchstücke des Gesagten versteht.
Jetzt könnte man meinen, dass ich darauf auch schon hätte früher kommen können. Klar, hätte ich auch, aber hab ich nicht. Also gilt es gerade kiloweise bittere Pillen schlucken. Ich werd quasi zum bittere-Pillen-Junkie. Ein Lichtstreif am Horizont sind zum Glück immer wieder auftauchende kleine Erleuchtungen. Außerdem bin ich seit kurzem auch stolzer Träger, der Weisheit für alle Lebenssituationen auf spanisch, die ich eingangs erwähnt habe und die dem schwäbischen „Ds Läba isch koin Schlotzr!” eins zu eins entspricht. (pan = Brot, rosa = Rose, comprendes?)
mal wieder ein Geburtstag
Neben omnipräsenten revolutionären Graffitis und Babys, mangelt es hierzulande scheinbar auch nicht an Geburtstagen (Wer in diesem Vergleich vergeblich einen Sinn sucht, liegt richtig). Der letzte Geburtstag war jener von „la Sarah”, Frauen werden hier tatsächlich meistens mit bestimmtem Artikel plus Vornamen angeredet. Bei Männern wär mir das noch nicht aufgefallen.
An der Stelle vielleicht noch ein wichtiger gelernter Ausspruch, mit dem ich hoffentlich zuverlässig Idioten in die Flucht schlagen kann: „Conoszeis el ley de Jonas? - Queire me pero no me jodas!” Übersetzung fällt mir dazu gerade keine ein.
Der genannte Geburtstag gestern jedenfalls verlief in normal bescheidenen, geregelten Bahnen. Das einzige was natürlich nicht fehlen durfte war eine jener Torten, die aufgrund ihres hohen Zuckergehalts bei Berührung sofort mit allem verschmelzen.
Hierbei sei auf ein beliebtes nicaraguanisches Geburtstagsspiel hingewiesen, bei dem derjenige, der zuerst den zuverlässig in jedem Geburtstagskuchen verbackenen Bäckershund findet, einen original signierten Sandino-Sombrero mit nach Hause nehmen darf.
Bohnen und Reis plus x…
…gibt nach wie vor noch, morgens, mittags, abends bei Bobadillas zu Hause. Tatsächlich aber bis jetzt absolut jedes mal in neuer Variation, wenn nicht geschmacklicher, dann wenigstens kosmetischer Natur. Das hilft einem auf jeden Fall sehr sich mit der totalen kulinarischen Monotonie zufrieden zu geben. Ich bedauere auf jeden Fall jetzt schon das Versäumnis mit 5 Litern Olivenöl hier anzureisen, das ist hier ähnlicher Luxus wie Bücher auch, mit europäischen Preisen in einem Land in dem der Bus 15 Cent kostet.
buswars©
Dann gab’s heute morgen bei der Busfahrt noch ein kleines Entertainment-Break, bei dem sich die Mannschaften von zwei Bussen, einer davon der meinige, um das Recht die Linie abzufahren handgreiflich stritten. Nach der Keilerei verabschiedete mich mein Busfahrer mit verbeultem Gesicht und grimmigem Blick, seine unversehrte Mannschaft hingegen nahm’s leicht und mit breitem Grinsen.
Erklärend hierzu sei erwähnt, dass ein Busfahrer hier niemals alleine unterwegs ist, sondern immer mindestens einen „Ayudante”, Helfer, zur Seite hat, der sich zwischen den Stationen mit akrobatischen Manövern auf dem Trittbrett des Busses hin und her schwingt, und an den Stationen lauthals das Fahrtziel verkündet und sich außerdem nach Kräften müht Fahrgäste zu akquirieren.
Auf Wunsch eines Bloggingprofis:
Legende
- Sarah (20) = Deutsche und meine Mitfreiwillige.
- Svenja (40+) = seit 12 Jahren in Nicaragua lebende Deutsche und meine Projektleitern.
- Dinah = deutschsprechende, aeltere (18) Tochter von Svenja.
- Arlen = deutschverstehende, juengere (11) Tochter von Svenja.
- Javier(28) = Nica, Gewerkschafter und mein Gastbruder.
- Mijail(25) = Nica, Anwalt und mein Mentor vor Ort.
- Ingrid(17) = Nica, wohnt bei Svenja, Freundin von Dinah und Frau von David
- David(28) = Deutscher, wohnt wieder in Deutschland. War als Freiwilliger vor mir hier im Projekt. Mann von Ingrid.
Nun denn Kinder, auf bald von euerem Onkel Jonas















One Comment
AAAAHHHHH! Verstehe. ich lese jetzt immer im Studio deine schönen Texte - hier liegen 5 Zentimeter Schnee. Ich will auch Flip Flops!!!!
Hasta pronto!